Technische Übersetzungsprojekte scheitern selten an der Übersetzung selbst. Die eigentlichen Probleme entstehen oft früher: HMI-Texte sind noch nicht final, Screenshots fehlen, verschiedene Abteilungen verwenden unterschiedliche Begriffe oder die Dokumentation wird während der Übersetzung weiter verändert.
Gerade bei Maschinen, Anlagen und komplexen technischen Produkten hängen viele Inhalte voneinander ab. Terminologie, HMI, Screenshots, technische Dokumentation und Translation Memory sollten deshalb nicht isoliert betrachtet werden.
Je früher diese Abhängigkeiten berücksichtigt werden, desto effizienter lässt sich ein mehrsprachiges Projekt umsetzen.
Warum technische Übersetzungsprojekte oft unnötig kompliziert werden
In vielen Unternehmen startet die Übersetzung erst kurz vor dem internationalen Rollout. Zu diesem Zeitpunkt sind jedoch nicht immer alle Inhalte wirklich final.
Typische Probleme sind:
- HMI-Texte werden noch geändert.
- Screenshots zeigen weiterhin die Ausgangssprache.
- Für dieselbe Funktion werden unterschiedliche Begriffe verwendet.
- Frühere Übersetzungen enthalten uneinheitliche Terminologie.
- Verschiedene Dateiversionen sind gleichzeitig im Umlauf.
- Änderungen an der Dokumentation erfolgen parallel zur Übersetzung.
Die Folge sind zusätzliche Rückfragen, Korrekturschleifen und unnötiger Zeitaufwand.
Das Problem liegt dann nicht in der Qualität der einzelnen Übersetzung, sondern in der fehlenden Abstimmung zwischen Entwicklung, technischer Redaktion und Lokalisierung.
- Terminologie frühzeitig festlegen
Eine konsistente Terminologie ist eine der wichtigsten Grundlagen technischer Übersetzungen.
Ein Bauteil oder eine Funktion sollte in HMI, Bedienungsanleitung und Serviceunterlagen möglichst immer gleich bezeichnet werden.
Ein einfaches Beispiel:
In der deutschen Dokumentation heißt ein Bauteil „Spannvorrichtung“. In verschiedenen englischen Unterlagen finden sich später „clamping device“, „clamping unit“ und „fixture“.
Sprachlich können mehrere Varianten korrekt sein. Für den Anwender entsteht trotzdem Unsicherheit.
Eine Terminologiedatenbank kann deshalb unter anderem enthalten:
- Ausgangsbegriff
- freigegebene Übersetzung
- Definition
- Kontext
- erlaubte oder unerwünschte Synonyme
Je früher zentrale Begriffe abgestimmt werden, desto einfacher lassen sie sich anschließend über verschiedene Systeme und Dokumente hinweg konsistent verwenden.
- HMI möglichst vor der Dokumentation lokalisieren
Bei Maschinen und Anlagen spielt die Benutzeroberfläche eine zentrale Rolle.
Wenn im Handbuch beispielsweise steht:
„Tippen Sie auf Automatikbetrieb.“
muss der Bediener diese Funktion auch auf dem Display eindeutig wiederfinden.
Wird die HMI unabhängig von der Dokumentation übersetzt, kann im englischen Handbuch „Automatic mode“ stehen, während auf dem Display „Auto operation“ erscheint.
Beides kann korrekt übersetzt sein. Für den Anwender ist die Abweichung trotzdem ungünstig.
Deshalb ist es sinnvoll, HMI-Texte möglichst vor der finalen Übersetzung der Dokumentation zu lokalisieren.
Dadurch können die Begriffe aus der Benutzeroberfläche direkt in Bedienungsanleitungen und weitere Unterlagen übernommen werden.

Abstimmung zwischen Technik, Dokumentation und Übersetzung reduziert Rückfragen und sorgt für konsistente Fachkommunikation.
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HMI-Texte brauchen Kontext
HMI-Lokalisierung bringt zusätzlich besondere Anforderungen mit sich:
- begrenzte Zeichenlängen
- einzelne Strings ohne sichtbaren Zusammenhang
- Variablen und Platzhalter
- Abkürzungen
- technische Beschränkungen der Benutzeroberfläche
Ein einzelner Begriff wie „Start“, „Zurück“ oder „Laden“ kann ohne Kontext mehrere Bedeutungen haben.
Hilfreich sind deshalb zusätzliche Informationen wie Screenshots, Kommentare, Zeichenlimits oder Hinweise zur jeweiligen Funktion.
- Screenshots erst nach der HMI-Lokalisierung erstellen
Screenshots sind häufig ein fester Bestandteil technischer Dokumentation.
Werden sie bereits erstellt, bevor die HMI lokalisiert ist, zeigen sie häufig noch die Ausgangssprache. Nach der Übersetzung müssen sie dann nachträglich ersetzt werden.
Ein sinnvoller Ablauf ist daher:
HMI finalisieren → HMI lokalisieren → zielsprachige Oberfläche erzeugen → Screenshots erstellen → Dokumentation finalisieren
Dadurch passen Bildschirmansicht und Text in der Anleitung von Anfang an zusammen.
Gerade bei mehreren Zielsprachen ist dieser Punkt nicht zu unterschätzen. Bei fünf Sprachen und 30 Screenshots müssen bereits 150 zielsprachige Screenshots verwaltet werden.
Klare Dateinamen und eine saubere Versionierung werden deshalb schnell wichtig.
- Technische Dokumentation übersetzungsgerecht vorbereiten
Auch der Ausgangstext beeinflusst die Qualität und Effizienz der späteren Übersetzung.
Problematisch sind beispielsweise:
- unterschiedliche Bezeichnungen für denselben Gegenstand
- unnötig komplizierte Satzstrukturen
- mehrdeutige Formulierungen
- wechselnde Varianten derselben Anweisung
Wenn ein identischer Arbeitsschritt einmal als „Maschine ausschalten“, einmal als „Gerät abschalten“ und einmal als „Anlage außer Betrieb nehmen“ beschrieben wird, erschwert das nicht nur die Verständlichkeit.
Es reduziert auch die Wiederverwendung vorhandener Übersetzungen.
Konsistentes Schreiben hilft deshalb sowohl der technischen Redaktion als auch dem späteren Übersetzungsprozess.
- Translation Memory und Terminologie gemeinsam nutzen
Ein Translation Memory speichert bereits übersetzte Textsegmente.
Taucht derselbe oder ein ähnlicher Satz später erneut auf, kann die vorhandene Übersetzung wiederverwendet werden.
Gerade technische Dokumentationen profitieren davon, weil viele Inhalte regelmäßig aktualisiert oder in ähnlicher Form erneut verwendet werden.
Wichtig ist jedoch die Unterscheidung:
Translation Memory: speichert bereits übersetzte Sätze oder Segmente.
Terminologiedatenbank: verwaltet einzelne Fachbegriffe und deren freigegebene Übersetzungen.
Beide Systeme ergänzen sich.
Bestehende Übersetzungen sollten allerdings nicht ungeprüft übernommen werden. Veraltete Produktnamen oder uneinheitliche Terminologie können sonst in neue Projekte übernommen werden.
- Dateiformate frühzeitig berücksichtigen
Technische Übersetzungen bestehen selten nur aus Word- oder PDF-Dateien.
Je nach Projekt können unter anderem folgende Formate relevant sein:
- XML
- HTML
- IDML
- Excel oder CSV
- XLIFF
- Software- und HMI-Dateien
- CAD-Dateien
- Dateien aus Redaktionssystemen
Idealerweise werden editierbare Quelldateien bereitgestellt.
Das erleichtert die Verarbeitung mit CAT-Tools, schützt technische Elemente und reduziert manuellen Aufwand bei Rückgabe und Layout.
Ein sinnvoller Ablauf für technische Übersetzungsprojekte
Nicht jedes Projekt ist identisch. Als Orientierung kann jedoch folgende Reihenfolge dienen:
- Projekt analysieren
Welche Inhalte, Dateiformate und Zielsprachen gibt es? Welche Systeme hängen voneinander ab?
- Terminologie abstimmen
Zentrale Fachbegriffe und Funktionsbezeichnungen werden geprüft und freigegeben.
- HMI lokalisieren
Strings werden übersetzt, technische Beschränkungen berücksichtigt und die Benutzeroberfläche geprüft.
- Screenshots erstellen
Nach der HMI-Lokalisierung werden zielsprachige Screenshots erzeugt.
- Dokumentation übersetzen
Nun können Bedienungsanleitungen und weitere Unterlagen auf der abgestimmten Terminologie und HMI aufbauen.
- Qualität und Versionen prüfen
Zum Abschluss werden Terminologie, Vollständigkeit, Layout und Dokumentstände kontrolliert.

Moderne technische Übersetzungen umfassen längst mehr als Fließtext – auch digitale Dokumentation, Daten und Benutzeroberflächen gehören dazu.
Fazit
Technische Übersetzung sollte nicht als letzter Arbeitsschritt vor dem Export betrachtet werden.
Bei professionell organisierten Projekten greifen Terminologie, HMI, Screenshots, Translation Memory und technische Dokumentation ineinander.
Wer diese Abhängigkeiten früh berücksichtigt, reduziert Rückfragen und Korrekturschleifen und schafft konsistente Inhalte über verschiedene Sprachen und Systeme hinweg.
Gerade bei Maschinen, Anlagen und komplexen technischen Produkten ist eine gute Projektvorbereitung deshalb oft genauso wichtig wie die Übersetzung selbst.
Häufige Fragen
Sollte die HMI vor der Bedienungsanleitung übersetzt werden?
Wenn die Dokumentation auf Funktionen und Bezeichnungen der Benutzeroberfläche verweist, ist das häufig sinnvoll. So können die finalen HMI-Begriffe konsistent in der Dokumentation verwendet werden.
Warum ist Terminologie bei technischen Übersetzungen wichtig?
Sie sorgt dafür, dass Bauteile, Funktionen und Prozesse in HMI, Dokumentation und weiteren Unterlagen eindeutig und einheitlich bezeichnet werden.
Was ist der Unterschied zwischen Translation Memory und Terminologie?
Ein Translation Memory speichert bereits übersetzte Textsegmente. Eine Terminologiedatenbank verwaltet einzelne Fachbegriffe und deren freigegebene Übersetzungen.
Welche Informationen werden für ein Angebot benötigt?
Für eine erste Einschätzung helfen insbesondere:
- Umfang
- Dateiformate
- Sprachkombinationen
Zusätzliche Informationen zu HMI, vorhandener Terminologie oder Translation Memories erleichtern die Projektplanung.
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